Nach Berlin-Stromausfall: Infrastrukturdaten liegen auf dem Silbertablett

upday.com 1 day ago
Der Stromausfall in Berlin ist für Betroffene dramatisch - aber längst nicht der einzige Vorfall. Paul Zinken/dpa

Ein Stromausfall im Südwesten Berlins hat jüngst Zehntausende Haushalte getroffen. Die Landesregierung vermutet einen linksextremistischen Anschlag dahinter. Der Vorfall zeigt erneut: Deutschlands kritische Infrastruktur bleibt verwundbar – und die öffentliche Zugänglichkeit sensibler Daten verschärft das Problem.

Der aktuelle Fall reiht sich in eine Serie von Angriffen ein. Bereits im September waren nach einem politisch motivierten Brandanschlag auf Strommasten im Südosten Berlins Zehntausende Haushalte tagelang ohne Strom. Im Jahr 2022 legte eine Sabotage-Aktion an Bahnanlagen in Berlin und Herne den Zugverkehr in Norddeutschland stundenlang lahm. Auch Mobilfunkmasten geraten gelegentlich ins Visier von Angreifern.

Parallel nehmen Drohnensichtungen über kritischen Einrichtungen zu. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine häufen sich die Vorfälle. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärte bei der Einweihung eines neuen Drohnen-Abwehrzentrums im Dezember: «Wir gehen in weiten Teilen davon aus, dass diese Drohnen auch von feindlichen Mächten gesteuert sind.» Im Herbst störten Drohnen den Betrieb an deutschen Flughäfen.

Problem: Sensible Daten öffentlich zugänglich

Ein zentrales Problem verschärft die Gefährdungslage: Strom- und Gasnetzbetreiber sind gesetzlich verpflichtet, Infrastrukturdaten öffentlich bereitzustellen – bei Planungs-, Umweltverträglichkeits- oder Bürgerbeteiligungsverfahren. Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey sagte dem Deutschlandfunk: «Sie finden sehr viel im Internet.»

Der Netzbetreiber 50Hertz beschrieb das Ausmaß als Experte für eine Bundestags-Anhörung: «In der Praxis bedeutet dies, dass häufig detaillierte Karten, technische Parameter, Standortinformationen, Leitungs- und Trassenverläufe sowie Infrastrukturstrukturen öffentlich zugänglich gemacht werden – digital, dauerhaft und ohne wirksame Zugriffsbeschränkungen.»

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) warnt, diese Daten lägen potenziellen Angreifern «quasi auf dem Silbertablett». Mit KI-basierten Suchmaschinen und Algorithmen könnten die Informationen systematisch gesammelt und für Attacken ausgewertet werden. Der Verband fordert: «Wir brauchen deshalb eine umfassende und praxistaugliche Neubewertung bestehender Transparenzpflichten.»

Forderungen nach mehr Schutz

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verlangt verstärkte Sicherheitsmaßnahmen. GdP-Landeschef Stephan Weh fordert mehr Redundanzen – also parallel verlaufende Leitungen für den Notfall – und Videoüberwachung. «Kameras an Strommasten könnten bei der Strafverfolgung helfen, aber auch präventiv wirken», so Weh.

Die Deutsche Bahn setzt bei ihrem rund 34.000 Kilometer langen Netz zunehmend auf Technik. Der Konzern teilte im Herbst mit: «Dabei kommt mobile und stationäre Videotechnik zum Einsatz, ebenso wie Trittschallsensoren und Wärmebildkameras.» Anders als etwa in Großbritannien sind die Gleisanlagen in Deutschland weitgehend ungesichert und nicht eingezäunt.

Die Bundesregierung hat einen Reform-Vorschlag vorgelegt: Betreiber kritischer Infrastruktur sollen verpflichtet werden, Vorfälle zu melden und Pläne für alle vorhersehbaren Risiken zu entwickeln. Der Bundestag berät derzeit über die Neuregelung – sie könnte auch Anlass sein, die aktuellen Transparenzpflichten neu zu definieren.

In Berlin sind 99 Prozent der rund 35.000 Kilometer Stromnetz bereits unterirdisch verlegt. Giffey erklärte: «Wir reden über ein Prozent, das noch oberirdisch verläuft. Es ist unser Ziel, auch dieses eine Prozent unter die Erde zu bringen.» Allerdings räumte sie ein, dass Verwundbarkeiten immer bleiben werden.

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.

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